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Konzert im April 2015

Badische Neueste Nachrichten 17. April 2015

Leidenschaft von Wildpferden

„King Henry and Friends“: Das klag wird zum Mehrgenerationentreff

Zur Veranstaltung des Kulturamtes der Stadt Gaggenau schickte Leiterin Heidrun Haendle wieder ein paar ihrer besten Pferde ins Rennen: „King Henry and Friends“ zelebrierten im klag Live-Musik mit der Leidenschaft von Wildpferden, die ihr jugendliches Temperament nie verlieren. Die mit Besuchern jeder Altersgruppe brechend gefüllte Kleinkunstbühne wurde erneut zum kulturell-gesellschaftlichen Gaggenauer Mehrgenerationentreff.

Auf dem trittsicheren Geläuf der Kleinkunstbühne mischten die spielerfahrenen Profis und Semi-Profis, allesamt Könner an ihren Instrumenten, Hits aus Rock, Pop und griffigem Blues wie „Little red Rooster“ oder dem „Down Home Blues“ individuell auf. Gitarrist Attila Schumann verlieh den Saiten seiner Fender mit Porzellantellern und Gläsern nicht nur schaurig-schöne Gänsehautschwingungen, sondern koordinierte spontan einfließende Improvisationen, die jedes Stück zum einzigartigen Live-Arrangement machten.

Ein Blick zur Rechten und Andreas Kniep zückte sein Saxofon für ein emotionsgeschwängertes Solo, das noch lange nachklang. Auch die Improvisationen am S-Saxofon waren eine Klasse für sich, mit stetem Applaus des Publikums bedacht wie die opulenten Aktionen von Drummer Ringo Hirth, der auch ganz anders konnte. Beim gefühlvollen „Albatros“-Instrumentalduo mit Attila bediente er mit textilbewehrten Mallets die Becken in unglaublich sensibler Dynamik.

Gefühle zum Schmelzen brachte auch Michael Heid, der Mann mit der Mundharmonika. Er entlockte seiner Bluesharp eine selten so gehörte, breite Range; von weichem Timbre in der Mittellage bis zur höchsten schrillen Spitze und ließ sich auch nicht aus der Ruhe bringen, als eine Stimmzunge ihren Geist aufgab. Was Bassist Thomas Fritz seinem Instrument zu entlocken vermochte, bekam man eindrucksvoll beim Klassiker „Honky Tonk Woman“ zu spüren. Mit richtig harten Riffs drückte er dem urbanen Rock seinen Stempel auf.

Bandchef King Henry ließ am Piano zum meist blueslastigen Sound virtuos Elemente des Jazz einfließen. Arline Faller übernahm mit ihrer vollen, angenehmen Stimme bei „One of us“ und dem rockigen „Proud of Mary“ den Gesangspart.

Eine ebensolche Bereicherung kam mit Sängerin Geraldine Röder auf die Bühne, die „Women be wise“ als auch den „Alabama-Blues“ sehr gefühlvoll zu interpretierten wusste. Erst nach mehreren Zugaben, die Fans und Publikum lautstark einforderten, wurde Heinz Wagner alias „King Henry and Friends“ verabschiedet, die sich in den Stunden zuvor in die Herzen der Besucher galoppiert hatten.
Karin Krieglstein

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BT 27. Sept.2008: „King Henry” begeistert in zwei Formationen auf der klag-Bühne

Gaggenau (ma) - Gleich zwei Formationen in ähnlicher Besetzung gastierten am Donnerstagabend in der klag-Büh­ne. Den Anfang machten „King Henry and his College Band”. Die neun Musiker, un­ter ihnen auch bekannte Murg­täler wie Peter Götzmann am Schlagzeug oder Thomas Fritz am Bass, spielten New Orleans Jazz und sorgten mit Klassi­kern wie „Down By The River­side” für gute Stimmung. Den rockigen Teil übernahmen „King Henry and Friends”.

Der Abend war unterteilt in vier Teile, bei denen sich die beiden Bands abwechselten. „King Henry and his College Band” gibt es seit 41 Jahren. Sie wurde als Schülerband am Tul­la-Gymnasium in Rastatt ge­gründet. Von der Urbesetzung ist Pit Leuchtner an der Klari­nette übrig geblieben. Immer noch auf dem Thron sitzt King Henry. Er heißt eigentlich Heinz Wagner und spielt Kla­vier.

 Das Konzert eröffnete die  Band mit dem Klassiker "Bill Bailey”. Bereits nach kurzer Zeit erreichte die Stimmung ih­ren ersten Höhepunkt. Beson­ders die schwarze Stimme von Joe Louis, die an die Jazz‑ Legende Louis Armstrong erinnerte, versetzte das Publikum in Begeisterung. Louis spielte an diesem Abend zum ersten Mal in seiner neuen Jazzband. Pro­ben gab es im Vorfeld nicht. Viele Bandmitglieder sahen ihn daher zum ersten Mal auf der Bühne. Das ist im Jazz aber nichts Ungewöhnliches. Denn in der Improvisation liegt die Kunst.

 Nach einer Pause übernah­men „King Henry and Friends” die Bühne. Ein Teil der Band blieb sitzen. Hinzu stießen die Gitarristen Attila Schumann und Jox Lammer, die von Mi­chael Heid an der Mundharmo­nika begleitet wurden. Gerade „Honky Tonk Woman” von den Rolling Stones brachte das Pu­blikum zum Mitklatschen. Anschließend sorgte die 19-jährige Natascha Koch aus Tirol mit ih­rer Version von „Proud Mary” für eine kleine Uberraschung. Enorm, wieviel Stimme die junge Frau hervorbrachte. Gänsehautstimmung kam angesichts der Ballade „Tears 'in Heaven” von Eric Clapton auf.

Im Anschluss folgte wieder ein jazziges Set von „King Henry and his College Band”. Bei der Schlussnummer „When The Saints Go Marching In” verab­schiedeten sich die Bläser mit einem Gang durchs Publikum. Auch der anschließende Rockteil von „King Henry and Friends” brillierte durch die Co­verversion von „Suzy Q”, ge­sungen von Attila Schumann. Für „Me And Bobby Mc Gee” schlüpfte Natascha Koch in die stimmliche Rolle von Rockle­gende Janis Joplin und bestand diese Meisterprüfung mit einer soliden Leistung.

 Für die Zugabe wurde es sehr eng auf der Bühne, als sich alle Musiker versammelten. Nach drei Stunden sollte das letzte Lied des Abends „How Many Roads” heißen, was vom Publi­kum im Anschluss kräftig be­klatscht wurde. Ein gelungener Abend, an dem vielen alten Lie­dern zu neuem Klang verholfen wurde.

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BNN 27.09.2008:  Mit "King Henry" kehrte der heiße Jazz der 50er zurück

Publikumsreaktionen im ausverkauften Klag bewegten sich
zwischen Begeisterungsstürmen und gespielter Coolness 

Betrat man am Donnerstagabend das bis auf den letzten Platz besetzte klag, mutete es an, als befände man sich in dem illegalen Tanzsa­lon in Chicago aus Billy Wilders Film „Manche mögen's heiß” mit Marilyn Monroe. Auf der Bühne heizte die Formation: "King Henry" und die "College Jazz Band" dem Publikum mit heißen Jazzrhythmen der 50er Jahre ordentlich ein. Die Stimmung, die durch den Raum schwebte, muss damals genauso gewesen sein; es fehlten nur die leicht bekleideten Damen, die mit strahlenden Gesichtern die Beine hochwarfen. Die hatte man aber ohnehin vor sei­nem geistigen Auge. Die Begeisterung im Publikum war vom ersten Moment an nicht zu bremsen. Die Soli der Musiker wurden begeistert beklatscht, in den kurzen Unterbrechungen zwischen den fetzigen Stücken johlten, pfiffen und applaudierten die Zuschauer hingerissen.  

Neben diesen erregenden Rhythmen, kein Fuß im Zuschauerraum konnte der Versuc­hung des Mitwippens widerstehen, boten die Musiker aber auch andere Stilrichtungen. Rock'n Roll, einige bekannte Pop-Lieder und Blues.

Unglaublich rauchige Stimmen hallten durch den Raum, die Trompete "schepperte", Posaune und Tuba schmetterten abwechselnd hingebungsvoll ihre tiefsten Töne, und im Publikum war alles erlaubt: Man konnte mitklatschen oder weiter mit dem Fuß tippen; man konnte sich aber auch von der,,Coolness", die im Raum beinahe greifbar war, anstecken lassen, sich eine Zigarette in den Mundwinkel träumen und, ohne eine Miene zu verziehen, lässig mit dem Kopf nicken.

Selbst Popsongs, die eigentlich auf jedem Konzert einer Coverband gespielt werden und daher schon ein 'wenig „ausgelutscht” sind, brachte die Band auf eine völlig neue und mitreißende Weise herüber: So etwa „Knocking on heaven's door”, das man selten mit Mundharmonika, Bongo und Blueseinlagen zu hören bekommt.

So hatten jedes Stück und jeder Song sein eigenes Augenzwinkern zwischen den Notenzeilen. Trompetensoli, die Joe Louis entweder nur auf dem Mundstück oder aber gleich zweistimmig auf zwei Trompeten gleichzeitig darbot, lösten wahre Begeiste­rungsstiirnrie aus, und als die Band sich forma­tierte, um „Oh when the saints” spielend in ei­ner langen Reihe durch das Publikum zu zie­hen, waren die Zuschauer fast nicht mehr zu halten.

Das Licht im Saal ging entlang des Weges, den die Musiker nahmen, an, Kameras blitzten auf, die applaudierenden Hände waren in die Höhe gestreckt - wahrlich, es schienen fast schon Heilige zu sein, die hier kamen.

Agnes Hellmuth

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